Fetischismus (1927) *

Aetiologie 385 Zusammenwirkenden Bedingungen diejenigen noch nicht kennen, welche für die seltenen pathologischen Ausgänge massgebend sind.
Affekt 384
Aktion 384
Denkgesetze 385 u. Primärvorgänge
Fetisch 383 Nur selten als e. Leidenssymptom empfunden ... loben sogar die Erleichterungen, der er ihrem Liebesleben bietet... rolle e. Nebenbefundes 383 zufällige Umstände zur Auswahl des Fetisch 383 Fetischistische Bedingung ... 383 ist e. Penisersatz 383 nicht der Ersatz e. beliebigen, sondern e. bestimmten, ganz besonderen Penis, ... in frühen Kinderjahren e. grosse Bedeutung hat. 383 Fetisch ist dazu bestimmt, ihn vor dem Untergang zu behüten 385 man überblickt jetzt, was der Fetisch leistet und wodurch er gehalten wird 385 Zeichen des Triumphes über die Kastrationsdrohung und der Schutz gegen sie 385 erspart es dem Fetischisten auch, ein Homosexueller zu werden, indem er dem Weib jenen Charakter verleiht, durch den es als Sexualobjekt erträglich wird. 385 Kastrationsschreck beim Anblick des weiblichen Genitales bleibt wahrscheinlich keinem männlichen Wesen erspart. Warum die einen infolge dieses Eindrucks homosexuell werden, die andern ihn durch die Schöpfung eines Fetisch abwehren und die übergrosse Mehrzahl ihn überwindet, ... wissen wir nicht zu erklären 385 Bei der Einsetzung des Fetisch scheint vielmehr ein Vorgang eingehalten zu werden, der an das Haltmachen der Erinnerung bei traumatischer Amnesie gemahnt 386 bleibt das Interesse wie unterwegs stehen, wird etwa der letzte Eindruck vor dem Unheimlichen, traumatischen, als Fetisch festgehalten. 386 Fuss oder Schuh seine Bevorzugung als Fetisch - oder ein Stück derselben ... die Neugierde des Knaben von unten, von den Beinen her nach dem weiblichen Genitale gespäht hat ... 386 Pelz und Sand fixieren ... den Anblick der Genitalbehaarung, auf den der ersehnte des weiblichen Gliedes hätte folgen sollen 386 Wäschestücke halten den Moment der Entkleidung fest, den letzten, in dem man das Weib noch für phallisch halten durfte. 386 will aber nicht behaupten, dass man die Determinierung des Fetisch jedesmal mit Sicherheit durchschaut. 387 Fetisch selbst, in dessen Aufbau sowohl die Verleugnung wie die Behauptung der Kastration Eingang gefunden haben. 387 Gewandstück verdeckt überhaupt die Genitalien und den Unterschied der Genitalien (Geschlechterdifferenz) 387 Alle diese Möglichkeiten konnten sich hinter dem Gürtel gleichgut verbergen. 387 Fetisch, aus Gegensätzen doppelt geknüpft 387 in vielen Fällen behandelt er ihn in einer Weise, die offenbar e. Darstellung der Kastration gleichkommt. 388 Die Zärtlichkeit u. die Feindseligkeit in der Behandlung des Fetisch, die der Verleugnung u. der Anerkennung der Kastration gleichlaufen. 388 Das Normalbild d. Fetisch ist der Penis des Mannes
Homosexualität 385 erspart es dem Fetischisten auch, ein Homosexueller zu werden, , indem er dem Weib jenen Charakter verleiht, durch den es als Sexualobjekt erträglich wird. 385 Kastrationsschreck beim Anblick des weiblichen Genitales bleibt wahrscheinlich keinem männlichen Wesen erspart. Warum die einen infolge dieses Eindrucks homosexuell werden, die andern ihn durch die Schöpfung eines Fetisch abwehren und die übergrosse Mehrzahl ihn überwindet, ... wissen wir nicht zu erklären
Interesse 385 Erbe des Interesses (an weibl. Genitale) 386 bleibt das Interesse wie unterwegs stehen, wird etwa der letzte Eindruck vor dem Unheimlichen, traumatischen, als Fetisch festgehalten
Kastration 385 Abscheu vor der Kastration 385 Kastrationsschreck beim Anblick des weiblichen Genitales bleibt wahrscheinlich keinem männlichen Wesen erspart. Warum die einen infolge dieses Eindrucks homosexuell werden, die andern ihn durch die Schöpfung eines Fetisch abwehren und die übergrosse Mehrzahl ihn überwindet, ... wissen wir nicht zu erklären 386 ein gewisses bedeutsames Stück der Realität vom Ich verleugnet worden, ähnlich wie beim Fetischisten die unliebsame Tatsache der Kastration des Weibes. 387 Fetisch selbst, in dessen Aufbau sowohl die Verleugnung wie die Behauptung der Kastration Eingang gefunden haben. 388 der chinesische Mann will es dem Weibe danken, dass es s. der Kastration unterworfen hat.
Kastrationskomplex 386 Untersuchung des Fetischismus ist all denen dringend zu empfehlen, die noch an der Existenz des Kastrationskomplexes zweifeln 387 bedeutet es sowohl, dass das Weib kastriert sei, als auch, dass es nicht kastriert sei.
kastrieren 384 wenn das Weib kastriert ist, ist sein eigener Penisbesitz bedroht.
Klitoris 388 wie das des minderwertigen Organs der reale kleine Penis des Weibes, die Klitoris.
Kompromiss 385 wie es nur unter der Herrschaft der unbewussten Denkgesetze - der Primärvorgänge - möglich ist
Konflikt 385 Gewicht der unerwünschten Wahrnehmung und der Stärke des Gegenwunsches
Linguistik 383 „Glanz auf der Nase“ ... „Blick auf der Nase“ (glance = Blick)
Narzissmus 384 s. eigener Penisbesitz bedroht, und dagegen sträubt sich das Stück Narzissmus, mit dem die Natur vorsorglich gerade dieses Organ ausgestattet hat.
Natur 384
Neurose 386 Ich habe kürzlich auf rein spekulativem Weg den Satz gefunden, der wesentliche Unterschied zwischen Neurose und Psychose ... 386 bei ersterer das Ich im Dienste der Realität ein Stück des Es unterdrücke
Penis 384 wenn das Weib kastriert ist, ist sein eigener Penisbesitz bedroht, und dagegen sträubt sich das Stück Narzissmus, mit dem die Natur vorsorglich gerade dieses Organ ausgestattet hat.
Phallus 383 Fetisch ist der Ersatz f. den Phallus des Weibes (der Mutter), an den das Knäblein geglaubt hat und auf den es - wir wissen warum - nicht verzichten will. 385 Ja, das Weib hat einen Penis, aber dieser Penis ist nicht mehr dasselbe, das er früher war. 385 Etwas anderes ist an seine Stelle getreten, sozusagen zu seinem Ersatz ernannt worden und ist nun der Erbe des Interesses, der sich dem früheren zugewendet hatte. 386 Wäschestücke halten den Moment der Entkleidung fest, den letzten, in dem man das Weib noch für phallisch halten durfte.
Psychose 386 Ich habe kürzlich auf rein spekulativem Weg den Satz gefunden, der wesentliche Unterschied zwischen Neurose und Psychose ... 386 während es sich bei der Psychose vom Es fortreissen lasse, sich von einem Stück der Realität zu lösen
skotomisieren 384 Laforgue ... der Knabe „skotomisiert“ die Wahrnehmung des Penismangels beim Weib. 384 ungeeignet ... als wäre die Wahrnehmung glatt weggewischt worden. 386
Spaltung 387 Es war nur eine Strömung in ihrem Seelenleben, welche den Tod des Vaters nicht anerkannte hatte; es gab auch eine andere, die dieser Tatsache vollkommen Rechnung trug. 387 Die wunschgerechte wie die realitätsgerechte Einstellung bestanden nebeneinander. 387 Bei dem einen meiner beiden Fälle war diese Spaltung die Grundlage einer mittelschweren Zwangsneurose geworden.
Spekulation 386
stigma indelibile 385 der stattgehabten Verdrängung bleibt auch die Entfremdung gegen das weibliche Genitale. 385 dem Weib jenen Charakter verleiht, durch den es als Sexualobjekt erträglich wird. 385 Genitalersatzes 385 die an ihn gebundene sexuelle Befriedigung ist bequem zu haben.
Tatsache 384 387
Thron 384 ähnliche Panik ... Thron und Altar sind in Gefahr.
Trauma 385 Bei der Einsetzung des Fetisch scheint vielmehr ein Vorgang eingehalten zu werden, der an das Haltmachen der Erinnerung bei traumatischer Amnesie gemahnt 386 Trauma der Geburt
Vateridentifizierung 388 diesem hatte das Kind die Kastration des Weibes zugeschrieben.
Verdrängung 384 Das älteste Stück unserer pschoanalytischen Terminologie, das Wort „Verdrängung“ 384 will man in ihm das Schicksal d. Vorstellung von dem des Affekts schärfer trennen, den Ausdruck „Verdrängung“ für den Affekt reservieren, so wäre für das Schicksal d. Vorstellung „Verleugnung“ die richtige deutsche Bezeichnung. 385 Stigma indelibile der stattgehabten Verdrängung bleibt auch die Entfremdung gegen das wirkliche weibliche Genitale, die man bei keinem Fetischisten vermisst. 385 der stattgehabten Verdrängung bleibt auch die Entfremdung gegen das weibliche Genitale.
Verleugnung 384 das älteste Stück unserer psychoanalytischen Terminologie, das Wort „Verdrängung“ 384 will man in ihm das Schicksal d. Vorstellung von dem des Affekts schärfer trennen, den Ausdruck „Verdrängung“ für den Affekt reservieren, so wäre für das Schicksal d. Vorstellung „Verleugnung“ die richtige deutsche Bezeichnung. 384 Die Wahrnehmung geblieben ist und dass eine sehr energische Aktion unternommen wurde, ihre Verleugnung aufrecht zu erhalten 386 ein gewisses bedeutsames Stück der Realität vom Ich verleugnet worden, ähnlich wie beim Fetischisten die unliebsame Tatsache der Kastration des Weibes. 387 dem Kind konnte gestattet sein (Verleugnung), was sich beim Erwachsenen durch schwere Schädigung (Psychose) strafen musste. 388 Die geleugnete Kastration
Wahrnehmung 384 s. geweigert hat, die Tatsache seiner Wahrnehmung, dass das Weib keinen Penis besitzt, zur Kenntnis zu nehmen. 384 Die Wahrnehmung geblieben ist und dass eine sehr energische Aktion unternommen wurde, ihre Verleugnung aufrecht zu erhalten
weibliches Genitale 385 die Entfremdung gegen das wirkliche weibliche Genitale, die man bei keinem Fetischisten vermisst 386 Pelz und Sand fixieren ... den Anblick der Genitalbehaarung, auf den der ersehnte des weiblichen Gliedes hätte folgen sollen
Wissenschaftstheorie 383 Einzelheiten dieser Fälle entziehen s. aus naheliegenden Gründen der Veröffentlichung (Diskretion) 383 sie (d. Lösung) ergab sich so ungezwungen u. erschien mir so zwingend, dass ich bereit bin, dieselbe Lösung allgemein für alle Fälle von Fetischismus zu erwarten. 384 Ein neuer Terminus ist dann berechtigt, wenn er einen neuen Tatbestand beschreibt od. heraushebt (Ockham) 385 Zusammenwirkenden Bedingungen diejenigen noch nicht kennen, welche für die seltenen pathologischen Ausgänge massgebend sind. 385 müssen wir zufrieden sein, wenn wir erklären können, was geschehen ist, und dürfen die Aufgabe, zu erklären, warum etwas nicht geschehen ist, vorläufig von uns weisen. 386 wie längst vermutet wurde 386 will aber nicht behaupten, dass man die Determinierung des Fetisch jedesmal mit Sicherheit durchschaut. 386 Für mich hatte die Aufklärung des Fetisch noch ein anderes theoretisches Interesse 386 Ich habe kürzlich auf rein spekulativem Weg den Satz gefunden, der wesentliche Unterschied zwischen Neurose und Psychose ... 386 und konnte mich des Irrtums der Charakteristik von Neurose und Psychose für überführt halten. 387 Aber weitere Untersuchungen führten zu einer anderen Lösung des Widerspruchs.
Wunsch 385 Stärke des Gegenwunsches
Zopfabschneider 388 vereinigt in sich die beiden miteinander unverträglichen Behauptungen: das Weib hat seinen Penis behalten, und der Vater hat das Weib kastriert.
 
* sofern nichts anderes vermerkt beziehen sich alle Seitenzahlen auf die "Freud-Studienausgabe"
in 10 Bänden (mit Ergänzungsband), Frankfurt a. Main, 1982
¹ Erwähnung "avant la lettre"
² Erwähnung der Sache nach (implizit), ohne Begriffsnennung im betreffenden Freud-Text